Die Dachböden von 55 Kölner Schulgebäuden werden mit neuer Wärmedämmung ausgerüstet.
VON TINA HANDSCHUHMACHER
Wie verhindert man, dass an Kölner Schulen zu viel Energie verpulvert wird? Im staubigen Dachstuhl der Grund- und Förderschule an der Kopernikusstraße in Buchforst haben Oberbürgermeister Fritz Schramma und der Chef der Gebäudewirtschaft, Engelbert Rummel, dazu am Donnerstag ein Konzept vorgestellt, das in großen Teilen bereits umgesetzt wird. Das Prinzip ist denkbar einfach: Alle Schulen, die über einen ungenutzten Dachboden verfügen, werden mit einer 36 Zentimeter dicken Wärme-Dämmschicht auf dem Dachboden versehen. Das trifft immerhin auf 55 der 286 Kölner Schulgebäude zu.
Eine Paderborner Spezialfirma hat ein kostengünstiges System entwickelt. Zunächst wird der Dachboden mit einer schwimmenden Spanplatten-Konstruktion ausgerüstet. In die Hohlräume werden anschließend Zelluloseflocken geblasen, die aus Altpapier gewonnen wurden. Der Vorteil: Die Methode ist besonders umweltfreundlich und es sind keine aufwändigen Bauarbeiten erforderlich.
Zwei Millionen Euro investiert die Stadt Köln seit September 2008 in die neuartige Energiespartechnik. Die Hälfte der Schulen ist bereits umgerüstet, bis August 2009 soll das Programm abgeschlossen sein. „Wir sparen nicht nur bis zu 300 000 Kubikmeter Heizenergie pro Jahr, sondern verringern gleichzeitig den Kohlendioxid-Ausstoß um 800 Tonnen pro Jahr“, so Engelbert Rummel. Das entspricht laut Gebäudewirtschaft einem durchschnittlichen Ausstoß von 180 Einfamilienhäusern aus den 80er Jahren.
„Wir wollen den Passivstandard einführen und damit Geld sparen. Nach 13 Jahren haben wir die Investition wieder raus.“ Ein Passivhaus ist ein Gebäude mit einer Lüftungsanlage, das aufgrund einer guten Wärmedämmung keine klassische Heizung mehr benötigt.
Mit dem Sanierungspaket setzt die Stadt Köln Vorgaben der im Jahr 2004 beschlossene Energiesparverordnung des Bundes um.
Köln, 12.2.2009, 17:10 Uhr > Altpapier als Wärmedämmung:
An 55 Kölner Schulen wird das Dachgeschoss mit aus Altpapier bestehendem Zellulosedämmstoff isoliert. Dadurch sollen die Energiekosten der Schulen deutlich gesenkt werden. Als erste Stadt Europas setzt damit Köln diesen Wärmdämmstoff in großem Maßstab ein.
Foto: Das Dachgeschoss der Grund- und Förderschule Kopernikusstraße in Köln-Buchforst wird derzeit mit einem neuen Wärmedämmstoff isoliert.
Dass Zeitungspapier, wenn man es in Schuhe stopft, warme Füße macht, weiß jeder. Dass man damit aber auch sein Haus isolieren kann, ist neu. An der Grund- und Förderschule Kopernikusstraße in Köln-Buchforst wirbelt derzeit feinster „Papierschnee“ durch das Dachgeschoss. Die sogenannten Zelluloseflocken dienen als Wärmedämmung und sollen den Energieverbrauch der Schule deutlich senken. Seit 13 Tagen pumpen die Arbeiter den aus Altpapier bestehenden Staub zwischen die Geschossdecke und eine darüber angebrachte Spanplatte.
Um eine erhöhte Brandgefahr zu verhindern, werden die Flocken mit Brandschutzmitteln bearbeitet. Morgen sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.
An insgesamt 55 Schulen im Kölner Stadtgebiet wird die oberste Geschossdecke mit diesem System isoliert. Dadurch sollen – so die Berechnungen - 250.000 bis 300.000 Kubikmeter Heizenergie eingespart werden. „Das entspricht etwa dem Verbrauch von 180 Einfamilienhäusern“, rechnet Oberbürgermeister Fritz Schramma vor. Die CO2-Emissionen könnten so pro Jahr um mehr als 700 Tonnen reduziert werden. Die Kosten des Sanierungsaufwandes betragen dabei rund zwei Millionen Euro. Vor drei Jahren entwickelte Arnold Drewer dieses Wärmedämmsystem. Für das erhielt er im Januar dieses Jahres den Umweltpreis im Bereich der Wärmedämmung.
Die Stadt Köln ist nun die erste Stadt in Europa, die diese Art der Wärmedämmung erstmals in dieser Größenordnung verwenden wird. Insgesamt wird eine Fläche von 38.000 Quadratmetern isoliert.
Foto: Zwischen den Boden des Dachgeschosses und der Spanplatte wird Zellulosedämmstoff eingeblasen. Dämmhülsen aus Pappe stützen die Spanplatte.
Für die Dämmung mit Zelluloseflocken eignen sich ausschließlich die Schulen, die über einen nicht genutzten und nicht gedämmten Dachboden verfügen. Dort werden sogenannte „Dämmhülsen“ – mit Zelluloseflocken gefüllte Papprollen, als statische Tragelemente aufgestellt. Auf diesen wird eine zementgebundene Spanplatte angebracht. In den zwischen der Geschossdecke und der Spanplatte entstehenden Zwischenraum wird anschließend der feine Zellulosedämmstoff eingeblasen. So entsteht die 36 Zentimeter dicke Wärmedämmung. Ein Vorteil dieses Systems: Durch die Einblasetechnik können auch schwer zugängliche Stellen des Dachbodens isoliert werden. „Sie ist nicht nur kostengünstig, sondern ermöglicht aufgrund der feinen Flocken eine lückenlose Isolierung auch in schwererreichbaren Ecken des Dachgeschosses.“, sagt Drewer.
--- Cornelia Schlößer für report-k.de/ Kölns Internetzeitung ---
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